Tipp: Auswahl der richtigen Bohrung

Für einen alltagstauglichen Typ 1-Motor eines Straßenfahrzeugs bilden die Zylinder mit Bohrung 85,5 (dickwandig) und 90,5 mm eine sehr gute Basis. Die Durchmesser 87 mm und 92 mm weisen konstruktionsbedingt eine dünnere Zylinderwandstärke auf, so daß die Gefahr von Verformungen im Alltagsbetrieb höher ist.

Sogenannte 88 mm (oder auch 87 mm) "slip-in" Kolben- und Zylindersätze können ohne Bearbeitung des Motorgehäuses montiert werden. Diese dünnwandigen Zylinder verwenden den gleichen Außendurchmesser wie die 1500 und 1600 cm³ Serien-Zylinder mit einem größeren Kolbendurchmesser. Sie haben daher den Nachteil einer noch dünneren Zylinderwandstärke, so daß die Dauerhaltbarkeit reduziert sein kann. Dies betrifft besonders die dem Zylinderkopf zugewandte Seite, an der der Verbrennungsdruck direkt ansteht. Defekte von Kolben, Kolbenringen oder Zylinderbüchsen sind hier aufgrund der großen thermischen Belastung früh zu erwarten.

Nicht mit slip-in Kolben- und Zylindersätzen zu verwechseln sind 88 mm Zylinder, für deren Montage eine Gehäusebearbeitung vorgesehen ist. Sie haben eine ausreichende Wandstärke für einen getunten Straßenmotor. Da die erforderliche mechanische Bearbeitung jedoch gleich ist, wie bei 90,5 mm Zylindern muß man sich die Frage stellen, ob man nicht gleich auf den größeren Durchmesser ausweichen soll. Dennoch haben 88 mm Zylinder bei Typ 2 oder Typ 3 Fahrzeugen eine Berechtigung, da diese Motoren oft thermisch höher belastet sind und dann die höhere Wandstärke von 88 mm Zylindern eine größere Betreibssicherheit gibt.

Unter Kosten- und Leistungs- bzw. Drehmomentgesichtspunkten stellt der Zylinderdurchmesse 90,5 mm nach heutigem Stand einen optimalen Kompromiss dar. Dies gilt besonders für Straßenmotoren mit gemischten Einsatzbedingungen.

Zylinder mit 92 mm Durchmesser sind praktisch "slip-in"-Zylinder für 90,5 mm Bohrungen. Hier gilt das oben gesagte. Für Hochleistungsmotoren sollte daher überlegt werden, gleich auf 94 mm zu gehen. 

Zusammen mit dem Serienmotorgehäuse beträgt die maximale Bohrung für Typ 1 - Motoren 94 mm. Bei diesen Zylindersätzen geht die größere Bohrung allerdings zu Lasten der Tiefe der außen angebrachten Kühlrippen. Dadurch kann die Dauerbelastbarkeit eines solchen  Motors eingeschränkt sein. Der Aufwand für die mechanische Bearbeitung und damit die Kosten sind etwas höher als bei 90,5 mm Zylindern. 94 mm Zylinder sind besonders für (Renn-)Motoren interessant, bei denen der Zustand des Motors laufend überwacht wird und keine Laufleistungen über 50.000 km erwartet werden.